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Februartagebuch #21

Ab heute werden die Tage hier immer wärmer, bis wir nächste Woche angeblich die 20 Grad Marke erreichen. Da kommt dann doch noch ein wenig Urlaubsfeeling auf. Ich war nach einigen Wochen endlich mal wieder laufen, was mir viele Blicke bescherte. Ich bin überzeugt, dass es an meinem Outfit lag: rosa Laufschuhe, rosa Oberteil, orangene Mütze und rosa Kopfhörer. Da hätte ich vermutlich auch geguckt, aber ich fühlte es. Auf der linken Rheinseite, am Rheinauhafen entlang, lugte ich in die teuren Wohnungen rein und entdeckte ein Gemälde eines Künstlers, den ich erst gerade im Wiener Museum kennengelernt hatte. Ich konnte nicht anders als laut lachen. Genau das macht den Rheinauhafen aus.

 

Meine Euphorie über meine neuen Studienideen mündete gestern in der Zusage des Studierendenservice, die Stadtforschungskurse anrechnen lassen zu können. Dafür liebe ich mein Studium. Siehe da, alles lässt sich am Ende doch verknüpfen. Ich meine, was für ein großartiger Ansatz, Stadt feministisch zu denken. Dazu kann ich wieder wärmstens ein Buch empfehlen. Feminist City von Leslie Kern behandelt verschiedene Perspektiven auf die Stadt, von Müttern, bis Freund*innen oder auch Einzelnen. Immer geht es um Personen, die in der Stadtplanung selten bzw. in zu geringem Maße berücksichtigt werden. Auch hier zeigt sich wieder ganz offenkundig, wie die Welt aus einer heteronormativen, weißen und männlichen Perspektive geschaffen wurde und wie sehr die Strukturen einer Stadt dazu beitragen, vorherrschende Rollenverständnisse zu (re-)produzieren.

 

Am Nachmittag waren wir draußen Pizza essen (es ist faszinierend wie viele lustvolle Blicke ein Pizzakarton auf sich zieht, viel mehr als anderes Essen) und haben die vielen Kinder und Familien im Park beobachtet. Wir haben darüber sinniert, wie viel Energie Kinder haben, während sie 30 Minuten lang im Park hin und her rannten, ohne den Anschein einer Atemlosigkeit. Einige Kinder erinnerten mich auch an Kerns Buch, da ihnen die Gentrifizierung am Outfit abzulesen war. Mit vollem Magen und schweren Beinen vom langem Spaziergang ging es wieder nach Hause. 

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