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Februartagebuch #19

Es war abzusehen, dass sich das Schreiben in Köln als schwieriger herausstellt als in Wien. Ein Bruch in der Routine, obwohl mein Tag von außen betrachtet nicht allzu anders aussieht. Heute Morgen bin ich aus dem Bett gesprungen und bin mit meinem Kaffee in der Thermostasse durch Köln spaziert. Etwas, wozu ich während meines letzten Besuchs zu Weihnachten kaum gekommen bin. Ich muss auch sagen, dass es weniger Spaß bereitet, wenn man ständig die Maske aufziehen muss. Stattdessen versuchte ich, um die maskenpflichtigen Straßen herumzuschlängeln, was mich schlussendlich meistens durch noch unspektakulärerer Wohnstraßen führte. Zwei Stunden später war ich wieder zurück und ja, seitdem passierte nicht mehr viel.

 

Ich bin froh, meinen Lockdown nicht primär in Köln zu verbringen. Das Flanieren ist hier nicht ansatzweise so wohltuend wie in Wien. Während die Wiener Architektur auch während Corona deinen Augen schmeicheln kann, muss man Köln einfach von innen erleben, um seine Schönheit zu sehen. Meine Hassliebe zu Köln ist beständig und immer wieder Mittelpunkt meiner Erzählungen. Objektiv betrachtet ein Schandfleck, aber mit großem Herzen. Uns verbinden Erinnerungen mit so tiefsitzenden Emotionen, dass es manchmal noch immer schwerfällt mir eine Zukunft hier vorzustellen, die frei sein kann von den erdrückenden Gefühlen. Und gleichzeitig löst sich die Beklemmung in der Brust doch mit jedem Besuch ein wenig, Rückschläge werden immer seltener. Es ist schön, wie frei man sich machen kann von Dingen, die man so stark in seine Identität verflochten hat. 

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