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Februartagebuch #16

Wenn man einen Tag lang seiner Routine des Schreibens nicht nachgeht, ist es unerwartet trickreich wieder einzusteigen. Mein gestriger Abend war gefüllt mit einem digitalen Escape Room Spiel, es fiel mir erst im Bett auf, dass ich den gestrigen Text vergessen hatte. Auch tagsüber kam es mir nicht in den Sinn.

 

Ich hatte die Nacht zuvor wieder wenig geschlafen, lag lange wach. Am Morgen vor der Arbeit war ich noch mit einer Freundin auf einen Kaffee to go verabredet, bevor wir uns die nächsten Wochen nicht mehr sehen würden. Alles in allem ein schöner Tag, auch weil ich nach einigen Wochen mal wieder etwas Urlaub vom Büro haben werde. Heute war ein typischer Lockdown/Minusgrade-Samstag. Ich habe uns Pfannkuchen zum Frühstück gemacht, wir waren draußen Kaffee trinken, bevor am Karlsplatz die Leute der Wiener Corona-Demo aufrückten. Zu Hause kochte ich Suppe und las endlich ein sehr gutes Buch zu Ende. Irgendwie zieht der Tag an mir vorbei und es ist schön, nicht auf die Uhr gucken zu müssen. Und dann wundert man sich, dass es immer noch hell ist.

 

Ich schaue gerade auf meine Pinnwand über dem Schreibtisch. Normalerweise fallen mir besonders die Fotos ins Auge, aber heute sind es die vielen Vokabellisten, deutsche und englische. Wörter, die ich noch nicht kannte, Wörter, die ich schon oft gehört hatte, aber nicht zuordnen konnte, und Wörter, die ich gerne in Zukunft öfter benutzen will. Das alles sind Listen, die ich zu Anfang des letzten Semesters angefangen hatte. Sie erinnern mich an einen anstrengenden Anfang ins Masterstudium und sie erinnern mich daran, wo ich jetzt wieder stehe. Was für eine Panik mich erneut überkam, weil alles so überwältigend neu war und ich mich dem an manchen Tagen nicht gewachsen fühlte. Und mit was für einem Gefühl ich jetzt hier sitzen, im Wissen, dass dann doch alles ziemlich reibungslos endete. Es erinnert mich wieder daran, zu was ich allem fähig bin, was ich manchmal vergesse. Nicht nur, zu was ich allem fähig bin, aber besonders, zu was ich bereits alles fähig war und was ich bewältigt habe. Mich selbst loben kann ich mittlerweile tatsächlich ziemlich gut, doch manchmal vergesse ich es gerne. Good job, you!

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