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Februartagebuch #8

Es ist kurz vor 11. Ich sitze auf einer weißen Bank am Stadtpark. Die Sonne scheint, es sind 12 Grad. Es ist so hell, die weiße Bank blendet mich. Neben mir sitzen für Lockdownverhältnisse viele Menschen, was meine Laune erheblich bessert. Es erinnert mich an all die guten Tage im Café. Wie immer habe ich meine Hörgeräte nicht an und höre sie alle nur dumpf murmeln, genau wie ich es mag. Ich war nie eine gute Spionin. "Warum ist Wien so windig?" gebe ich in der Suchmaschine ein. Etwas, worauf einen niemand vorbereitet. Ich fange an, mich mit ihm anzufreunden, dem Wind.

 

Ich habe mir heute extra frei genommen, für das gute Wetter. Ich war beim Bäcker und habe mir wieder eins dieser Dinkelcroissants mit Himbeerfüllung gekauft. Ich stecke es in meine Tasche, die mir meine Mama zu Weihnachten geschenkt hat. Ich war bei dem Café, dessen Kaffee manchmal nach Tiramisu schmeckt, wenn der junge Mann mit den dunklen, langen Haaren da ist. Heute aber nicht. Heute machte mir die blonde mit den großen Ohrringen Kaffee, der auch fantastisch schmeckt. Drei Männer kehren Blätter an der Treppe neben der weißen Bank. Die Schippen könnten fast nerven, aber ich genieße die lebendige Szenerie. Wenige Meter von mir entfernt sitzt ein altes Pärchen. Als eine Mama mit Kleinkind vorbeiläuft, fängt der Mann an zu klatschen. Das Mädchen läuft auf ihn zu und ich denke kurz: Corona! Freue mich aber so sehr darüber, dass das Mädchen dem Mann ein High Five gibt, dass mir Corona kurzweilig völlig unwichtig erscheint. Die Schokoenden meines Croissants sind in der Sonne geschmolzen.

 

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