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Februartagebuch #7

Ich bin seit wenigen Minuten zurück von der Arbeit. Ich habe mir auf dem Rückweg eine Brezel beim Bäcker gekauft. Die esse ich gerade mit reichlich Butter, weil Laugengebäck mit Butter viele Probleme lösen kann. Ich bin die letzten Tage mental nicht auf meinem Höhenpunkt. Es macht mich besonders traurig, weil ich die letzten zwei/drei Wochen so wahnsinnig gut drauf war, dass sich das wie ein großer Rückschlag anfühlt. Es könnte PMS sein, die Semesterferien, man weiß es nicht. Jedenfalls bin ich wenig spaßig. Wenn mich dieser Zustand einholt, wird meine Social Anxiety leider auch immer stärker. Ich denke zu viel darüber nach, was mein Gegenüber von mir denkt, habe eher das Gefühl, man sei unzufrieden mit mir. Generell zu denken, andere wären gedanklich mehr mit mir als mit sich selbst beschäftigt, ist irrational, ich weiß. Niemand tut das.

 

So, ich habe mir jetzt erst mal einen Kaffee gemacht. Den Rest des Tages (es ist jetzt 15 Uhr) werde ich wohl zu Hause verbringen. In der Regel braucht es lediglich ein paar Tage und auch soziale Interaktion, um zumindest die Social Anxiety zu konfrontieren und mein Gehirn mit positiven Daten zu bespielen. Damit hebt sich vielleicht auch wieder die Stimmung. Mein Zimmer könnte ein Clean Up gebrauchen, mein Bett frische Bettwäsche. Alles Dinge, die in der Regel auch meinen Kopf aufräumen. Aussitzen ist nicht meine Stärke, wie man merkt. Es ist nicht die Zeit, sich jetzt mit einem Eimer Eis als Sad Burrito zu verkleiden. Das fühle ich nicht.

 

Und wieder sind zwei Stunden vorüber. Ich habe noch einen Kaffee getrunken, habe nun zumindest das Zimmer aufgeräumt, das Bett ist noch nicht bezogen. Ich habe mich ein bisschen im Basteln verloren und weiter in Ollie MNs und Goerge Ezras Podcast über Mental Health reingehört. Meine Schwester rief mich über Videocall an. Etwas, was wir erst während Lockdown in der Intensität für uns entdeckt haben, obwohl wir jetzt schon viele Jahre Fernbeziehung führen. Nach so viel Erfahrung aus den letzten Monaten kann ich sagen, dass Videocalls die Stimmung so viel mehr heben als einfache Textnachrichten oder Telefonate.

 

 

On another note: ich habe gestern ein Second Hand Parfüm gefunden und abgeholt. Ein Parfüm, dass ich mal vor Jahren hatte. Heute trage ich es und es erinnert mich an alte Tage in Australien. Der Geruch macht mich auf eine Art glücklich und gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob man aus Gerüchen herauswachsen kann. Er transportiert ein Bild von mir, dass mir nicht mehr entspricht. Aber kann ein Duft vielleicht auch mit einem wachsen?

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