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Februartagebuch #4

Wie viele andere struggle auch ich stets mit meiner Beziehung zu Social Media. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist mein Output wesentlich differenzierter. Vieles bleibt privat, ich habe nicht mehr das Bedürfnis, durch Social Media gesehen zu werden. Das war mal anders. Es ist völlig normal, gesehen werden zu wollen, daran ist nichts verwerflich. Menschen finden unterschiedliche Wege, das zu erreichen. Als ich mich ziemlich unsichtbar gefühlt habe, war Social Media ein gutes Medium für mich, mich wem auch immer dort draußen mitteilen zu können.

 

Was mich jedoch zurzeit viel mehr umtreibt ist mein Scrolling. Ich finde meinen Feed inspirierend. Ich folge vor allem kreativen oder auch gesellschaftskritischen Accounts. Daher bin ich sehr zwiegespalten, wie negativ sich das auf mein Leben auswirkt. Einerseits der gute Input, andererseits die viele Screentime. Regelmäßig sortiere ich meine Abonnements aus, versuche immer wieder zu reflektieren, was tatsächlich zu meinem Wohlbefinden beiträgt oder positiv zum Nachdenken anregt. Was mir nie gelingt, ist ein festes Zeitfenster für Screentime zu etablieren. Alle paar Minuten finde ich mein Handy in der Hand. Es gelingt mir mühelos mein Handy in Gesellschaft zu vergessen, aber besonders im Lockdown hilft Screentime auch die viel gewonnene Zeit totzuschlagen. Ich ertappe mich manchmal, das Internet und Social Media zu verteufeln. Es ist schwer noch zu sagen, wo die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Abhängigkeit liegen. Weil ich ein Digital Native bin, hat mir nie jemand beigebracht, wie man gesund mit digitalen Medien umgeht und ich befürchte auch heute hat eine digitale Erziehung noch nicht das Ausmaß, das es braucht.

 

 

Die digitalen Medien zu verteufeln ist allerdings Humbug. Sie erlauben mir, trotz der Distanz, mit Freund:innen und Familie in Kontakt zu bleiben. Egal, wo es mich mal wieder hin verschlägt. Vielleicht ist es auch gerade das Wissen um diese Kontaktmöglichkeit, das mich fast mit Leichtigkeit durch die Gegend vagabundieren lässt. Ich bin nur eine Nachricht entfernt. Und durch Social Media kann ich sie in meinem ausgewählten Rahmen an meinem Leben teilhaben lassen. Es verbindet. Und ich glaube, das sollte im Fokus stehen. 

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