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Februartagebuch #2

Ich habe nicht besonders gut geschlafen. Es ist ein wenig, als wäre man acht und die Sommerferien hätten gerade angefangen. Man wacht um sieben Uhr morgens auf und ist ganz aufgekratzt und glaubt, jetzt kann eigentlich nur ein großes Abenteuer auf einen warten. Das Verständnis von Abenteuer war damals natürlich auch noch ein wesentlich fantasievolleres. Man konnte die Puppe in den Buggy legen, all ihre Kleidung in den kleinen zum Buggy passenden Koffer packen, zur Parallelstraße laufen und es eine Weltreise nennen. Ich wünschte, so wäre das heute noch. Nichtsdestotrotz war die Aufregung heute die Gleiche. Statt die Puppe in den Buggy zu legen, lief ich raus zum nächsten Geldautomaten und hob eine durchaus schmerzvolle Summe Geld ab (ein Erwachsenen-Abenteuer also), um mir später einen großen Traum zu erfüllen. Zurück zu Hause ertrug meine Mitbewohnerin meine überschwängliche Laune, bevor ich mich auf den Weg machte und in der Stadt ein Cello auslieh. Seit anderthalb Jahren träume ich davon, das Cello zu lernen, höre ständig die Mellow Cello Playlist auf Spotify. Es ist ein teures Hobby, seien wir ehrlich. Aber wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich es vielleicht bereuen, dachte ich mir. Also habe ich im letzten Herbst eine Probestunde genommen und bis heute darüber nachgedacht, ob ich nun das Geld dafür in die Hand nehmen mag oder nicht. Der Lockdown verbietet uns den Unterricht anzufangen, aber mit den Semesterferien hoffe ich, die Zeit zum Üben des Griffs und vielleicht auch mehr zu nutzen. So here we are!

 

Nachdem ich das Cello ausgepackt hatte, stellte ich fest, dass ich nicht mal weiß, wie weit dieser kleine Stab unten rausgucken muss, wie hoch also das Cello sein muss. Das erste Mal nahm ich den Bogen in die Hand und strich über die Saiten, das durfte ich in meiner Probestunde noch nicht. Der Klang erklärte mir wieder, wieso ich so unbedingt das Cello ausprobieren wollte. Doch werde ich fürs Erste das gute Youtube durchforsten, in der Hoffnung, jemand erklärt mir, was ich jetzt damit anstellen soll.

Heute Nachmittag war ich, wie derweil fast jeden Tag, auf meinem Spaziergang. Die Tage, an denen mein Armband vibriert und die 10.000 Schritte feiert, sind meine Lieblingstage. Seit gestern verbringe ich zudem sehr viele Stunden mit George Ezras und Ollie MNs Podcast Phone A Friend. Ich hatte nie reingehört, obwohl ich ein großer Fan von George Ezra bin und der Podcast schon über ein Jahr alt ist. Dass sie vor allem über mentale Gesundheit sprechen macht es noch besser als erwartet. Ich ziehe bereits am Nachmittag meinen BH unter meinem Pulli hervor. Es ist einer dieser Tage. Ich trage so selten einen, dass es mich meistens nur nervt. Ich bin heute noch sehr schlapp. Der andauernde unruhige Schlaf, das Semesterende. Deswegen entschied ich mich heute auch gegen das Büro, die Trägheit sitzt mir noch in den Knochen. Aber ich bin zufrieden.

 

Heute Abend haben wir das dritte Mal in zwei Wochen Pizza gemacht. Ich möchte behaupten, ich habe meinen Pizzateig perfektioniert und ich fühle mich dadurch bestätigt, dass meine Mitbewohnerin ihn das dritte Mal mit mir isst. Seit neustem essen wir gerne auf meinem Sofa und heute haben wir auch endlich wieder den Beamer anschmeißen können. Ich hatte die letzten Tage so viel von Fran Lebowitz gehört und ihre neue Netflix-Serie entdeckt, dass ich da unbedingt mal reinschauen wollte. Nie hatte ich Fran Lebowitz bewusst wahrgenommen, obwohl ich sagen muss, dass mir ihr Gesicht durchaus bekannt vorkam. Es hatten einige vertrauenswürdige Stimmen in den sozialen Medien und in Podcasts so sehr von ihr geschwärmt, dass ich einen Blick in die Serie reinwerfen wollte. Und was soll ich sagen, it’s a blast. Ich war die ersten Minuten skeptisch, ob mich ihre starke Meinung nicht etwas zu sehr nervt und ich weiß es noch immer nicht genau (ich habe eher eine Abneigung gegen Menschen, die zu allem eine lautstarke Meinung teilen wollen), aber gleichzeitig hat Lebowitz eine unbestreitbar faszinierende Art. Ich glaube, man nennt es Charisma. Das Mindeste, was diese Kurzserie tut, ist, mich zu inspirieren. Durch Lebowitz Charakter, ihre Erzählungen über New York sowie die ganze Aufmachung. Ich kann empfehlen, mal reinzuschauen.

 

 

Morgen hoffe ich, mit der gleichen Aufregung aufzuwachen. Gerne etwas später.

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