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Februartagebuch #1

Ich habe da eine Fantasie. Ich stelle mir vor, meinen freien Februar zum Freien Februar zu ernennen. Frei für Freigeist, für alles Kreative. Ich habe Semesterferien. Ich muss zwar die ersten zwei Wochen etwas arbeiten, aber sobald ich das Büro verlasse, kann ich meine Zeit absolut frei gestalten. Und dieses Mal macht es mich besonders aufgeregt. Seit Anfang des Jahres träume ich davon. Und je fortgeschrittener der Januar war, desto mehr entflammte die Idee, den Februar für den totalen creative outlet zu nutzen. Ich will lesen, basteln, malen, schreiben, fotografieren und auch unbedingt ganz viel nichts tun. Aber so richtig. Ich stelle mir vor, mich jeden Tag an einem beliebigen Ort hinzusetzen und ein paar Minuten nur in den Raum zu schauen, alles auf mich wirken zu lassen. Ich fühle eine Euphorie für all diese Ideen, ich weiß nicht, warum es mich so aufregt. Es fühlt sich genau nach dem richtigen Vorhaben an. Ich spüre, wie sehr ich das brauche. Seien wir ehrlich, was wäre auch schon die Alternative? Die Welt ist immer noch pausiert.

Ich neige dazu, durch den Lockdown noch mehr als zuvor, jeden Abend Filme oder Serien zu schauen. Oft bin ich müde vom Tag, manchmal ist es auch pure Gewohnheit und Faulheit, sich was anderes zu überlegen. Heute kam mir der Gedanke, den Abend zum Schreiben zu nutzen. Schreiben tue ich ohnehin täglich. Und nun denke ich, meine Gedanken im Februar (und die wenigen Tage zuvor) wieder öffentlich zu teilen. Anders als meine sonstigen Beiträge hier oder auf Instagram. Etwas ungefilterter, etwas ungeplanter. Ich weiß nicht, ob ich täglich daran denke oder die Muse finde, aber ich möchte es probieren. Ich will am Ende des Monats hierauf schauen können und sehen, was der Februar mit sich brachte.

Es gibt eine Übung, die sich Morgenseiten nennt. Man wacht auf und soll erst mal alles aufschreiben, was einem durch den Kopf geht. Vor allem für Schreibende soll das eine Übung sein, um zum einen alles aus dem Kopf sprudeln zu lassen und zum anderen Schreibblockaden zu lösen. Es soll die Angst lösen, keine Worte zu finden. Es soll den Drang zur Perfektion aufbrechen. Man soll alles zulassen, was raus will. Man darf alles schreiben, Geschichten, private Gedanken, Überlegungen, alles ist erlaubt. Das will ich mit diesem Format tun. Ich nenne sie Abendseiten, weil ich es vermutlich immer abends online stelle. Vielleicht werden es Texte, die schnell am Abend entstehen. Vielleicht werden es Texte, die ich über den Tag zusammenschreibe. Ich bin ganz aufgeregt, was daraus entsteht.

Wie alles im Februar soll auch bei diesem Projekt nicht das Ergebnis, sondern der Prozess im Zentrum stehen. So, let’s go.

Ich starte direkt mit dem heutigen Tag. Heute Mittag wäre mein letztes Seminar für dieses Semester gewesen, doch ich habe mich für die Arbeit, gegen die Uni entschieden. Nach der gestrigen Klausur war meine Energie für alles Universitäre am Existenzminimum. Schließlich war dieses Seminar auch am wenigsten geliebt von mir. Es war also befreiend, schon mit der Klausur das Semester abzuschließen. Ich habe fast sechs Stunden im Büro verbracht. Erst um halb zwölf aß ich zum Frühstück ein Croissant. Ich versuche noch immer, im Büro anzukommen. Es ist schwieriger, wenn man nur wenige Stunden in der Woche da ist. Man wird nie so richtig Teil des Teams, man kommt nicht so gut in seinen Rhythmus. Aber trotzdem bin ich gerne dort. Ich habe besonders dieses Jahr festgestellt, wie gut mir Arbeiten tut. Vor ein paar Jahren fühlte ich mich noch gar nicht bereit für diesen routinierten Ablauf, war froh, als ich meine Ausbildung abbrach und mit dem Studium so viel mehr freie Zeit hatte. Doch jetzt merke ich richtig, wie gut es meiner mentalen Gesundheit tut.

 

Am Nachmittag habe ich meine Mitbewohnerin am Karlsplatz getroffen. Wir wollten einen Kaffee beim kleinen Stand kaufen, ich entdeckte noch ihre sehr leckeren veganen Cookies, und anschließend die Kunstwerke von ihrer Klasse in der Stadt bestaunen. Es nieselte leicht und ich konnte nun endlich sagen, dass sich mein neuer, endlich wasserabweisender, Wintermantel gelohnt hat. 

Der Rest des Nachmittags und Abends verschwimmt zu einem Brei. Ich lief nervös durch die Wohnung, noch überfordert von der mentalen Freiheit, saß fünf Minuten auf meinem Sofa und observierte mein Zimmer, hörte Musik und einen Podcasts, während ich zuerst offline Tagebuch schrieb und schließlich hier landete. 

 

Wenn morgen alles läuft wie geplant, schaffe ich mir ein aufregendes neues Hobby an, von dem ich nun bereits 1 1/2 Jahre träume.

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