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Intro-Power - Introversion ist keine Schwäche

 

Ich bin introvertiert. Und ehrlich? Das ist auch ziemlich cool so. Mein Bedürfnis nach Ruhe und Zeit allein ist keine Schwäche, sondern meine Stärke. In einer Welt, in der Extrovertierte dominieren, ist es nicht immer einfach, das zu erkennen. Eine Welt, in der es besser zu sein scheint, laut zu sein, in der Networking der Weg zum Erfolg ist. Jeder hat was zu sagen, aber keiner hört richtig zu. Für jene, die vor allem in ihrem Kopf leben, ist kaum Platz.

 

Menschen denken oft, Introvertierte seien schüchtern oder unsozial, aber das ist nicht wahr. Auch Introvertierte können soziale Events mögen, so auch ich. Aber was einen Introvertierten vom Extrovertierten unterscheidet, ist, dass Introvertierte danach Zeit brauchen, ihre Batterien wieder aufzuladen, während Extrovertierte ihre Kraft aus sozialen Kontakten ziehen. Auch Introvertierte können das, aber nur mit wenigen Menschen, bei denen sie sich besonders wohl fühlen und abschalten können. Introvertierte entspannen oft besser bei fast meditativen Dingen wie Lesen, Malen oder Spaziergängen in der Natur.

 

Ich bin dankbar mittlerweile zu wissen, dass ich introvertiert bin und, dass das nichts mit den Klischees zu tun hat, die in der Welt walten. Dadurch habe ich Ruhe in mir selbst gefunden und werde nicht mehr so oft sauer auf mich selbst, weil mich Menschen manchmal überfordern. Ich bin nicht gut im Small Talk. Ich rede lieber erst dann, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Beitrag einen Mehrwert hat. Dafür kann ich umso besser zuhören, was Menschen oft zu schätzen wissen. Ich habe wenige Freundschaften, aber dafür tiefe.

 

Ich bin gerne allein. Dann kann ich zur Ruhe kommen und meinen Gedanken ihren nötigen Raum geben. Ich habe gelernt in der Welt der Extrovertierten zu überleben, mich ohne schlechtes Gewissen dem Geschehen zu entziehen, wenn es mir zu viel wird. Im öffentlichen Raum bedeutet das meistens, die Kopfhörer aufzuziehen. Wenn ich für mehrere Tage unter Menschen bin, suche ich mir Zeitfenster, in denen ich für mich sein kann, auch wenn das bedeutet, früh aufzustehen und für alle Frühstück zu machen. Ich bin gerne mal im Trubel, in der vollen Stadt, im lauten Club, aber dann freue ich mich umso mehr auf den ruhigen Moment zu Hause.

 

Ich wünsche mir für die Welt, dass ich und all die anderen Introvertierten nicht mehr übersehen werden, nur weil wir ruhiger sind. Gäbe man uns mehr Raum und mehr Chancen uns auszudrücken, könnten wir so viel Mehrwert für die Welt bieten. Als Introvertierte bringen wir besondere Eigenschaften mit, die Extrovertierte oft nicht haben.

 

Alles worum wir euch bitten ist Respekt für unser Bedürfnis nach Ruhe, uns nicht noch mehr Freunde aufzwingen zu wollen und uns in neuen Situationen erstmal beobachten zu lassen, zuhören zu lassen, bevor wir uns einbringen. Denn dann können wir unserer Fähigkeiten besonders gut mit der Welt teilen. 

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