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Faire Bezahlung für systemrelevante Berufe

 Ich habe überlegt. Schreibe ich was zu Corona oder lasse ich es? Es sind undurchsichtige Zeiten. Keiner weiß so genau, wie lange das gehen soll. Die Medien und die Regierung gaukeln einem etwas vor, die Ausgehbeschränkungen verlängert die Regierung auf nach Ostern, ohne mal mit der Wahrheit rauszurücken. Der ganze Spaß wird nach Ostern nämlich nicht einfach vorbei sein. Seit bald drei Wochen befinden ich und viele andere sich bereits in Selbstisolation, doch das war erst der Anfang des Marathons. maiLab hat in ihrem letzten Video vom 02.04. deutlich gemacht, wie lange wir noch in dieser Corona-Krise stecken werden. Im schlimmsten Fall mindestens zwei Jahre. Wenn wir uns wirklich wirklich Mühe geben, kann auch nach einem Jahr langsam ein Ende in Sicht sein. Das ist schon besorgniserregend. Nicht nur für mich persönlich, denn mit einem frischen Studienabschluss und gerade beendeten Arbeitsverträgen hängt man doch ziemlich in der Luft.

 

Deutschland hat schon sehr gut reagiert, wie es dem Land eben möglich war. Besonders zu diesen Krisenzeiten wird auch endlich der Gesellschaft bewusster, welchen enormen Stellenwert Menschen in Bereichen wie der Pflege, im Einzelhandel für Lebensmittel oder im öffentlichen Verkehrsbetrieb haben. Doch auch lange nicht allen. Nachrichten zeigen, unter welchem Bedingungen Menschen im Supermarkt arbeiten müssen, wie sie von Kund*innen angepöbelt werden. Absoluter Ausnahmezustand. Über die Hamsterkäufe müssen wir nicht mehr reden.

 

Ebenfalls darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese sogenannten systemrelevanten Berufe zum Großteil von Frauen ausgeführt werden. Es stellt sich also nicht nur (allerspätestens jetzt) die Frage, wie es sein kann, dass diese systemrelevanten Berufe noch heute so schlecht bezahlt werden. Auch die Antwort auf die Frage, wo die Zusammenhänge zwischen diesen systemrelevanten Berufen und ihrer überdurchschnittlich weiblichen Besetzung rühren, stößt offensichtlich noch häufig auf taube Ohren. Noch immer steht die Berufswahl unter dem Einfluss von Geschlechterstereotypen. Die Frau soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedenken, der Mann hingegen sieht sich in den meisten Fällen noch als Familienernährer. Die Gesellschaft gibt noch immer wenig Raum zum Andersdenken. Vielarbeitende Frauen und Hausmänner sind die Ausnahme und irritieren viele eher – ob gewollt oder nicht. Diversität erträgt der Mensch nur schwer. So finden sich noch häufig Frauen in jenen Berufen, die mit Familie leichter zu koordinieren sind bzw. in jenen, die dem traditionellem Frauenbild entsprechen, wie die Pflege von Kranken, Armen oder Kindern. Durch patriarchale Strukturen werden diese Berufe abgewertet und deshalb schlechter entlohnt.

 

Es hätte schon vor langer Zeit jeder verstehen müssen, dass diese systemrelevanten Berufe nun eben genau das sind – systemrelevant –, doch spätestens jetzt sollte es jedem klar werden. Und mit warmen Worten ist keinem mehr geholfen. Ein 'Danke' reicht schon lange nicht mehr. Die einzige Lösung ist nunmehr eine bessere und fairere Bezahlung. 

„Wir sehen gerade in dieser Zeit, dass die Leistungsträgerinnen und Leistungsträger eben nicht immer die sind in Anzug und Krawatte, sondern die im Kittel, die in der Altenpflege, vor allen Dingen auch in der Krankenpflege arbeiten, die sich um die Schwächsten kümmern.“ Hubertus Heil, SPD

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