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#periodtalk: Natürliche Verhütung

Ich nehme mir endlich Zeit, mal über ein weiteres Thema beim #periodtalk zu reden: Verhütung. Ich könnte jetzt auf diverse Möglichkeiten eingehen, zu verhüten, jedoch sprengt das eure Konzentrationsspanne beim Lesen und ich habe noch nicht hinreichend darüber recherchiert, was die Welt der Verhütung alles zu bieten hat. Daher widme ich mich einer ganz speziellen Methode, die ich seit wenigen Monaten für mich erkunde: Die natürliche Verhütung.

 

Was bedeutet das? Zunächst einmal bedeutet das, wie das Wort ‚natürlich‘ schon suggeriert, dass hierfür keinerlei Fremdkörper eingenommen, eingeführt oder sonst wie in deinen Körper gelangen müssen. Denn die natürliche Verhütung setzt darauf, anhand einiger Parameter die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus festzustellen. Das soll nicht nur helfen, die fruchtbaren Tage zu identifizieren, sondern hilft zudem zu ermitteln, wann die nächste Menstruation eintritt. 

Wie genau funktioniert das also? Was ich definitiv sinnvoll und hilfreich finde, sind Apps zum Thema natürlichen Verhütung. Da gibt es mittlerweile einiges im Angebot, ich persönlich nutze Clue und habe bisher gute Erfahrungen damit gemacht. Da muss aber jede*r für sich selbst schauen, welche App passt. Bei der natürlichen Verhütung sollen täglich verschiedene Daten erfasst werden, auf die ich sofort eingehen werde. Dazu sei gesagt, dass man aus einer Bandbreite an Möglichkeiten wählen kann, was man erfassen möchte. Je mehr Daten, desto besser und präziser können die Zyklusphasen errechnet werden – offensichtlich. Folgend stelle ich kurz ein paar Beispiele vor, was speziell bei der App Clue für sogenannte Tracking-Kategorien möglich sind. 

Blutung – wenn man seinen Zyklus erfassen will, macht es wohl Sinn, seine Blutung zu dokumentieren. Hier kann man also eintragen, wenn und wann man seine Tage hat. Unterscheiden lässt sich in leichte, mittlere, starke und Schmierblutung. Im Durchschnitt blutet man ca. 4-6 Tage und in der Regel hat man in den ersten Tagen der Menstruation eher starke bis mittlere Blutungen und zum Ende hin eher leichte. Aber auch hier variiert das von Mensch zu Mensch. Manche haben durchwegs starke oder nur leichte Blutungen. Schmierblutungen finden, wenn überhaupt, außerhalb der regulären Blutung statt.

Schmerzen – zusätzlich kann man auch angeben, ob man innerhalb des gesamten Zyklus Schmerzen hat. Angeben kann man Krämpfe, unter denen viele während der Menstruation leiden, Kopfschmerzen, Mittelschmerz und sensible Brüste. Mittelschmerz ist ein Schmerz im Unterbauch, der den Eisprung signalisiert, den ich persönlich noch nie wahrgenommen habe.

Temperatur – das ist ein ganz wesentlicher Parameter in der natürlichen Verhütung. Hier soll die sogenannte Basaltemperatur gemessen werden. Das ist die Temperatur direkt morgens nach dem Aufwachen. Man misst die Temperatur möglichst jeden Tag, bevor man aus dem Bett steigt oder sich aufrecht hinsetzt und im besten Fall immer zur gleichen Uhrzeit. Dafür sollte ein Thermometer benutzt werden, dass bis zu zwei Nachkommastellen aufweist, da die Abweichungen zwischen den einzelnen Tagen manchmal minimal, aber wichtig, sind. Während des gesamten Zyklus kann es zu Temperaturschwankungen von ca. 0,3-0,6 °C kommen. In der Regel ist die Basaltemperatur in der ersten Hälfte des Zyklus niedriger – also vom ersten Tag der Menstruation bis zum Eisprung – und in der zweiten Hälfte höher – vom Eisprung bis zum ersten Tag der Menstruation.

Ausfluss – jetzt wird es ein bisschen tricky. Es ist empfehlenswert seinen Ausfluss zu beobachten. Das schöne weiße Zeug, dass man manchmal in der Unterhose findet. Das variiert von fadenziehend bis klebrig oder cremig. Man kann auch angeben, wenn es einem untypisch erscheint und sich nicht richtig einsortieren lässt. Kurz vor und während des Eisprungs ist der Ausfluss normalerweise fadenziehend. In der zweiten Hälfte des Zyklus – vom Einsprung bis zur Menstruation – ist er in der Regel klebrig und in der ersten Hälfte – vom ersten Tag der Menstruation bis zum Eisprung – ist er cremiger. In der App selbst wird sehr gut erklärt, wie genau ihr euch das vorstellen müsst. Der Ausfluss lässt sich nicht jeden Tag beobachten und ist anfänglich auch schwerer einzuordnen, bis man ihn in den verschiedenen Phasen vergleichen konnte. 

Zusätzliche Parameter, die man beispielsweise messen kann, sind die eigene Stimmung, der Schlaf, die Energie, die Konzentration, seine sportlichen Aktivitäten, die sexuelle Aktivität und noch vieles mehr. Wie gesagt, je mehr man dokumentiert, desto besser können die Zyklen erfasst werden. Die App gibt einem dann einen guten Überblick sowohl in Form eines Kalenders, als auch in einem visualisierten Zyklus, wann voraussichtlich die fruchtbare Phase eintritt sowie die PMS und kommende Menstruation. Natürlich dauert es einige Zyklen, bis die App in der Lage ist, die nächsten Zyklen zu prognostizieren. Das ist wie mit der Wettervorhersage. Aber wenn man konsequent ist und die App täglich füttert, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Prognosen sehr präzise sind. Manchmal schwankt es vielleicht um +/- einen Tag.

Ich bin jedenfalls sehr dankbar um diese Möglichkeit. Ich habe ein paar Jahre lang die Pille genommen und habe dann erst reflektiert, wie schädlich das für den Körper ist und wie sehr sie ihn in seinem natürlichen Rhythmus stört. Bis jetzt scheint mir die natürliche Verhütung die angenehmste Alternative, zumal man dadurch anfängt, seinen Körper genauer zu beobachten und ihn so auch wesentlich besser kennenzulernen. Viele Frauen* setzen sich sehr wenig mit ihrem Körper auseinander, haben keinen richtigen Bezug dazu (aber das ist ein ganz eigenen Beitrag wert), dem die natürliche Verhütung entgegenwirken kann. Ich kann es auf jeden Fall sehr ans Herz legen, sowohl für diejenigen, die in die Familienplanung einsteigen wollen, als auch diejenigen, die genau das vermeiden wollen. Und im letzteren Fall kann ich abschließend nur noch hinzufügen: don’t forget the condom. 


Mehr zu Clue findest du hier.

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