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Jahresrückblick 2018 - Versöhnungen

 Den letzten Teil des Jahresrückblickes möchte ich dem Thema Versöhnungen widmen, denn diese prägten mich dieses Jahr besonders. Die eine Versöhnung gewichtiger als die andere - allesamt wohnte ein vorheriger längerer Kontaktabbruch inne. Was mich diese Versöhnungen lehrten könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein.

 

 Die eine lehrte mir, dass sich zwischenmenschliche Bindungen nicht erzwingen lassen, so sehr man es auch versuchen mag. Dass man sich jede Mühe der Welt geben kann, aber man niemals die Macht hat, gemocht zu werden. Und das tut gewiss weh, wenn man es sich so sehr wünscht, wenn man nicht versteht, warum alle Mühe nichts bringt. Sie lehrte mir, dass Versöhnung nicht zwangsläufig in Freundschaft endet. Dass es manchmal reichen muss, sich auszusprechen und dann wieder getrennte Wege zu gehen, jedoch mit einem leichteren Herzen.

 

Die andere lehrte mir, dass sich das Blatt doch wenden kann. Einfach immer für den anderen da zu sein – der Person die Zeit zu geben, die sie braucht –, kann sich lohnen. Geduldig zu sein, denn man weiß nie, welchen Kampf der Gegenüber noch zu kämpfen hat. Manchmal sind zwei Menschen nicht auf derselben Seite des Buchs und es braucht seine Zeit bis beide bereit sind für eine Versöhnung oder einen Neuanfang. Wenn zwei Menschen sich neu finden, manchmal vergehen Jahre bis dahin, kann es schwer sein, neue und unbekannte Charakterzüge anzunehmen, nicht in alte Muster zu verfallen. Es ist nicht einfach einen Menschen neu kennenzulernen, den man einst so gut kannte. Nicht traurig zu werden, wenn Eigenschaften, die man so schätzte und mochte, nicht mehr da sind, sondern gespannt zu bleiben, was es neues kennenzulernen gibt.  

Die dritte und letzte große Versöhnung, welche dieses Jahr die erste sein sollte, war die friedlichste von allen. Sie zeigte mir, wie wirkungsvoll Versöhnungen sein können, wenn beide sich diese so sehr wünschen. Nur wenn beide Seiten gewillt sind Vergangenes hinter sich zu lassen, kann ein Neuanfang wirklich gelingen. Sie lehrte mir auch, wie wundervoll und bereichernd es sein kann, Menschen eine zweite Chance zu geben. Sie hat mir gezeigt, dass sich in solchen zweiten Chancen manchmal ungeahnte Kräfte verbergen. Dass Beziehungen ganz neu wachsen können und manchmal sogar intensiver werden. Wenn man bereit ist, seine Verletzlichkeit zu offenbaren, über Gefühle zu sprechen, gnadenlos ehrlich mit diesen Gefühlen zu sein, dann kann daraus neues wachsen. Diese Versöhnung und vor allem der Mensch haben mich in diesem Jahr besonders geprägt. Mit ihnen hat sich etwas in mir gelöst, was ich einige Zeit regelrecht eingesperrt hatte. Gefühle und Gedanken, die ich schon länger nicht mehr kannte.

Mir ist klar, dass es nicht immer so einfach sein kann wie bei der letzten Versöhnung. Betrachte ich die Erste, weiß ich, dass es nicht immer möglich sein wird, Vergangenes hinter sich zu lassen. Dass Erinnerungen manchmal vielleicht zu prägend sind, um sie ignorieren zu können, beziehungsweise aufarbeiten zu können. Das der Wille beim Gegenüber dazu manchmal auch nicht da ist und man selbst lernen muss, dass zu akzeptieren, was niemals leicht ist. Die dritte Versöhnung hatte mir so viel Mut gemacht, dass ich schlichtweg nicht akzeptieren konnte, die erstere so „scheitern“ zu lassen. Ich verbrachte also Monate damit, mir den Kopf zu verbrechen, nicht aufzugeben. Aber keine Versöhnung gleicht der anderen und nicht jede von ihnen kann so wirksam sein. Menschen verändern sich fortwährend und manchmal passt nach ein paar Jahren kein einziges Puzzleteil mehr ineinander. Es ist bedauernswert, dass es einem manchmal so viel Zeit kostet, das zu erkennen und hinzunehmen. Und doch würde ich nichts anders machen. Denn hätte ich es nicht wenigstens versucht, hätte ich mir vielleicht immer die Frage gestellt „Was wäre, wenn…?“ Ich bin froh um die Klarheit, die ich dadurch gewonnen habe, auch wenn ich noch immer Zeit brauchen werde, darüber hinweg zu kommen.

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