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Jahresrückblick 2018 - Schminke, Haare und Feminismus

 

Der erste Teil meines Jahresrückblicks behandelt Themen, die für mich alle irgendwie zusammenhängen. Schminke, Haare und Feminismus. Gar nicht so abwegig, die Verbindung.

Fangen wir mit der Schminke an. Ich habe so im Alter von 12 oder 13 Jahren angefangen mich zu schminken, wie es alle getan haben. Vor allem der Kajal war von großer Bedeutung zu dieser Zeit. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie viel Angst ich vor der Reaktion meines Vaters hatte, dass er es vielleicht irgendwie verurteilen würde (was er übrigens nicht tat). Mit den Jahren wurde es mir unmöglich, ungeschminkt in die Schule zu gehen, was einem im Nachhinein natürlich total verrückt vorkam, zumal ich ziemlich sicher bin, dass mich keiner hätte verurteilt, außer ich mich selbst, geschweige wäre es jemandem großartig aufgefallen. Mit dem Schulwechsel nach der 10. Klasse veränderte sich dahingehend einiges. In meiner neuen Klasse war fast keines der Mädchen geschminkt, also hörte auch ich bald auf, mir Sorgen darum zu machen. Das zog sich bis nach den Schulabschluss in meine Ausbildungsjahre und ins Studium hinein. Ich hatte weder das Bedürfnis mich zu schminken, noch sah ich einen Mehrwert darin, was ja auch beides völlig legitim ist. Doch dieses Jahr habe ich es wieder für mich entdeckt. Nach Jahren sind auch mal wieder Make-Up und Lippenstift in mein Repertoire eingezogen. 

Ich verbrachte die ersten Jahre damit, mich vor allem für mein Umfeld zu schminken. „Für die Jungs“, um zu den anderen Mädchen zu gehören, weil man dachte, man müsste es einfach tun. Als sich dieser Druck auflöste, keine in meinem Umfeld sich die Mühe gemacht hatte sich für den Schulalltag im Übermaß herzurichten, hörte auch ich damit auf. Weniger aus sozialem Druck, sondern mehr aus der Erleichterung heraus, sich zum Lernen nicht mehr hübsch machen zu müssen. Mittlerweile habe ich das Schminken wieder für mich entdeckt und das einzig und allein für mich. Weder mit dem sozialen Druck im Nacken, noch mit dem Bedürfnis irgendwem damit besonders gefallen zu wollen, schminke ich mich jetzt, weil mir meine Augen damit gefallen, weil die roten Lippen mir manchmal Spaß machen.

Ich habe hier schon einen ganzen Beitrag dem Thema Haare gewidmet, daher halte ich es hier etwas kürzer. Ich habe mir dieses Jahr zum zweiten Mal meine Haare ganz kurz schneiden lassen. Das letzte Mal, 2016 war das, habe ich sie mir nach einem guten halben Jahr wieder lang wachsen lassen. Ich gefiel mir mit den kurzen Haaren, aber Fragen nach meiner Sexualität, die vorher noch nie aufgekommen waren, irritierten mich zu sehr. Als ich rausfand, dass diese Frage unter anderem meiner Frisur verschuldet war, war es für mich schwer damit zu leben. Die Konsequenzen meines kurzen Haarschnitts fühlten sich, lächerlicherweise, extrem weitreichend an in diesem Moment. Natürlich lag es im Besonderen an meinem geringen Selbstbewusstsein und auch Bewusstsein meines Selbst, dass solche Gedanken überhaupt aufkamen. Auch die Tatsache, dass noch immer die Mehrheit der Frauen lange und nicht kurze Haare tragen, hat meine Entscheidung unterbewusst sicher beeinflusst. Immer wanderte ich zwischen dem Wunsch, nicht zu sehr aus der Reihe zu tanzen und gleichzeitig meine Andersartigkeit und meinen eigentlichen Wünschen nachzugehen. Ich habe dieses Jahr gelernt, genau das ausschließlich zu tun. Mich selbst so anzunehmen wie ich bin. Mal ganz anders und manchmal genauso wie alle anderen. Meine Frisur kann weder gänzlich was über meinen Charakter noch überhaupt irgendetwas über meine Sexualität aussagen. Was ich noch gelernt habe? Kurze Haare sind unfassbar praktisch! Und ehrlich: sie stehen mir so gut. Ich hab dieses Jahr also einmal mehr gelernt, dass es keinen Zweck hat, sich die Meinung anderer zu sehr zu Herzen zu nehmen. Die Meinung anderer sagt immer mehr über sie selbst aus als über mich. Irgendwem wird immer missfallen, wie du dich kleidest, wie du dich verhältst und wofür du dich einsetzt. Solange du für dich selbst einstehst ist das aber alles egal.

 Kommen wir zum letzten Thema, dem Feminismus. Ich würde mich schon länger Feministin nennen, doch was das wirklich bedeutet, habe ich erst dieses Jahr wirklich begriffen. Ich habe verstanden, wie wichtig es ist, sich nicht nur Feministin zu nennen, sondern auch dafür einzustehen, Dinge zu thematisieren, sich selbst immer weiterzubilden. Feministin zu sein ist für mich dieses Jahr noch komplexer geworden. Ich setze mich als solche nicht nur für bessere Bedingungen und Rechte für Frauen ein. Ich setze mich für die Gleichberechtigung aller Lebewesen ein. Als Feministin bin ich überzeugt von den gleichen Rechten aller. Ich gestehe jedem Tier ein Recht auf Leben ein. Ich gestehe jedem Menschen ein Recht auf Leben ein und ohnehin die gleichen Rechte, egal welches Geschlecht, welche Herkunft, welcher Glaube, welche Werte etc. Ich bin gegen Geschlechterrollen, für gleiche Arbeitsbedingungen für alle Geschlechter, die Aufhebung von sogenannten Frauen- und Männerberufen, gegen die Gender-Pay-Gap, dafür, dass Männer ohne missbilligende Blicke und Kommentare Elternzeit nehmen können, dass Frauen nicht automatisch bessere Chancen beim Sorgerechtsstreit haben. Denn was uns unbedingt bewusst werden muss ist, dass der Feminismus und das Ziel dahinter auch für Männer Vorteile mit sich bringen. Auch ich bin noch mitten drin, mich weiterzubilden, die Thematiken und Zusammenhänge besser zu verstehen und habe mit dem Feminismus dieses Jahr eine weitere und neue Passion für mich gefunden, für die ich mich weiter einsetzen werde und worüber ich weiter aufklären will. Leider muss ich mittlerweile auch immer wieder feststellen, dass viele Menschen, egal welches Geschlecht, glauben, wir hätten hier in Deutschland keine Probleme mehr bezüglich geschlechterspezifischer Ungerechtigkeiten. Aufklärungsarbeit ist hier also unbedingt notwendig und die Thematik muss weitreichend und gut vermittelt werden.

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