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Freundschaftskitsch und große Gefühle

 

Ich weiß nicht ganz, wie ich diesen Text anfangen soll. Ich war am Wochenende mit einer Freundin zum Kaffee und Kuchen in einem Café verabredet und wir haben gequatscht – gequatscht über alles, was uns gerade bewegt. Das klingt im ersten Moment nicht aufregend oder besonders, aber für mich ist es das. Viele kennen bestimmt diese Menschen, mit denen sie über Gott und die Welt reden können, mit denen sie all ihre Gedanken, Ängste und Freuden teilen. Nun, ich kannte das sehr lange nicht besonders intensiv. Ich schiebe die Schuld nicht auf mein vergangenes Umfeld, das wäre zu einfach. Sicherlich hätte mich die eine oder andere Person ebenso bereichern können. Doch lange war ich zu vorsichtig, bin es noch immer. Ich hatte und habe die Angst, nicht verstanden zu werden. Mich zu öffnen fällt mir nicht immer einfach. Doch gibt es manchmal diese Menschen, die machen es mir unfassbar leicht. Bei denen fühle ich mich unmittelbar wohl, habe nicht das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Nicht selten, so glaube ich, liegt das an ihrem Selbstbewusstsein, an ihrer unübersehbaren Ehrlichkeit. Diese Menschen übertragen ihr Selbstbewusstsein sofort auf mich, gewinnen mein Vertrauen durch ihre Ehrlichkeit. Ehrliches Interesse am Gegenüber sehe ich so selten und bin immer hin und weg, wenn ich es doch mal finde.

 

Dann wiederum gibt es Menschen, bei denen dauert es manchmal Monate bis ich wirklich alles raus lassen kann, was mich beschäftigt. Einfach, weil ich nicht sicher bin, ob sie mich mit meinen Gedanken auffangen, ob sie bereit sind, mich nachzufühlen. Diese Menschen sind genauso wertvoll wie die oben genannten. Denn Vertrauen, dass sich mit der Zeit aufbaut, empfinde ich als mindestens genauso stark. Es braucht Willen und Geduld und auch Zuversicht, dass die gemeinsame Zeit die Bindung stärkt.

 

Ich würde mich keineswegs als schüchtern, aber als vorsichtig bezeichnen. Ich bin eine offene Person, aber fühle mich nicht sehr schnell mit Menschen verbunden. Ich trage immer eine gewisse Skepsis mit mir rum, auch dann noch, wenn mein Gegenüber doch mein Vertrauen gewonnen hat, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber scheint mich wirklich so zu mögen wie ich bin. Ich kann noch heute kaum fassen, was für wunderbare Menschen mich mögen, über meine Witze lachen und mir zuhören, wenn es mir mal nicht so gut geht. Folgendes ist vielleicht nicht so nachvollziehbar, wenn man das alles liest, aber ich zweifle nicht an meiner Person, so sehr sich das Ganze hier danach anhören mag. Ich mag mich selber unheimlich gerne, bin meine eigene beste Freundin. Nur, dass es da draußen Menschen gibt, die mich genauso cool finden ist immer wieder ein Wahnsinns-Gefühl und macht mir immer wieder Mut. Da ist meine Schwester – meine beste Freundin – die gottseidank in jeder Phase meines Lebens schon an meiner Seite verweilt. Da ist mein bester Freund, der nicht (wie meine Schwester schon eher) in meinem Leben bleiben muss und sich dennoch unerschütterlich dafür entscheidet, mit all den Höhen und Tiefen, mein Rückenwind zu sein. Da sind neue Freunde, die mein Herz im Sturm erobert haben oder zumindest genauso große Lust haben, sich gegenseitig auf den Grund zu gehen. Da sind alte Freunde, verteilt in Deutschland, Europa und der Welt, bei denen es keine Rolle spielt, wie viel Zeit vergeht bis man sich wieder spricht oder sieht. Die immer da sind, wenn man sie braucht. Es hat mich ein bisschen Zeit gekostet, aber jetzt kann ich mit Freude um mich rum schauen und sehe Menschen, auf die ich zählen kann, die mein Herz und Leben bereichern und dafür bin ich ewig dankbar. 

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