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Bitte lasst mich nicht im Regen stehen.

Das hier wird kein rationaler Beitrag. Um ehrlich zu sein, wird dieser sogar außerordentlich irrational sein. Ein Beitrag voller impulsiver Emotionen. Möglicherweise sehe ich das ganze Thema nächste Woche schon wieder unter einem anderen Licht, aber das macht diesen Beitrag und die Gefühle im jetzigen Moment nicht weniger wahr und nicht weniger bedeutend.

 

Dieser Beitrag handelt von einem Thema, mit dem sich sicher nicht viele identifizieren können. Manche, weil sie dieses Gefühl nicht kennen und manche, weil sie vielleicht in bestimmten Situationen genau das Gegenüber darstellen, das ich hier vermeintlich stark kritisieren werde. Dass ich diese Situationen überhaupt als so schlimm empfinde hängt unweigerlich mit meiner ganz eigenen Person zusammen. Eine Person, geprägt von bestimmten Erfahrungen und bestimmen Charaktereigenschaften, die dieses besondere Thema sicherlich überhaupt erst zum Thema machen. Okey, damit wäre wohl doch noch eine kleine Portion Rationalität vorhanden. Zurück zum Gefühlsausbruch.

 

Im Grunde genommen ein ganz einfaches Thema. Ein Thema über das sich viele wohl möglich absolut keine Gedanken machen müssen, weil sie es einfach tun. Soziale Interaktion. Aber hier geht es vor allem um die geplante Interaktion. Das erklärte Interesse, gemeinsame Zeit zu verbringen. Sei es jetzt eine normale Verabredung, sei es ein größeres Treffen in der Gruppe oder das gemeinsame Ausgehen am Abend. Total egal. Hier kommt die große wichtige Frage:

 

Warum lässt sich heute niemand mehr auf irgendetwas festnageln?

 

Hier gibt es natürlich auch für mich verschiedene Situationen, die unterschiedlichen Bedarf an diesem „Festnageln“ haben. Wenn ich mich spontan mit jemandem verabrede, ist kein Bedarf des „Festnagelns“ da. Man kommt, wenn man kommt. Will ich mit jemanden irgendwann Kaffee trinken und mein ganzer Nachmittag an diesem Tag ist frei, ist mir das auch ziemlich gleich, wann man kommt. Aber es gibt einfach Situationen, die bedürfen einer geringfügigen Abklärung. Nehmen wir ein Gruppentreffen. Je mehr Menschen involviert sind, desto schwieriger wird es mit der Absprache. Captain Obvious. Und das Ganze geht immer noch schlimmer: keiner reagiert. Keiner will sich darauf festlegen, ob er überhaupt kommt. Wie kann das sein?

 

Nun muss man natürlich fairer Weise unterscheiden zwischen den unterschiedlichen Verhältnissen dieser Menschen. Wenn man sein Gegenüber nicht besonders gut kennt und ihn auch (noch) nicht seinen Freund nennt, ist das eigene Interesse möglicherweise einfach zu gering, um sich festzulegen. Ich verstehe das. Man lotet die Möglichkeiten aus. Aber ihr lieben Menschen da draußen: auch wenn ihr euch nicht sicher seid, sprecht doch miteinander. Zeigt, dass ihr noch lebt! Keiner wird gerne im Regen stehen gelassen.

 

Ich habe mir im letzten Jahr besonders viel Mühe gegeben, mehr auf Menschen zu zugehen, was mich emotional viel Anstrengung kostet. Natürlich spielt mein geringes Selbstbewusstsein im sozialen Umgang eine Rolle, was jedoch immer nur sporadisch auftaucht (ich habe noch nicht raus gefunden, wann dieses geringe Selbstbewusstsein genau auftritt). Zurückweisung ist ohnehin schwer für mich. Mich dann auch noch bewusst einer Situation auszuliefern, in der eine Zurückweisung durchaus vorkommen kann, ist absolut nervenaufreibend für mich. Ich weiß, dass eine Zurückweisung nichts über meine Qualitäten aussagt. Es ist einfach diese Erschöpfung. Diese Mühe und Energie, die man verschwendet hat, weil sie irgendwie nicht ankommt oder schlichtweg nicht angenommen werden will. Das ist ein klassischer Fall von Etwas-haben-wollen-was-man-nicht-hat. Statt sich darüber zu freuen und dankbar zu sein für die Menschen, die man im Leben hat, wundert man sich über diejenigen, die nicht dein Freund sein wollen. Aber um den letzten Blogbeitrag noch einmal aufzugreifen: Ich glaube, am meisten lege ich mir hier selbst die Steine in den Weg. Ich mach mich durch meine vielen Gedanken selbst zum Outkast und mache mir dort Probleme, wo vielleicht gar keine sind. Doch nicht darüber nachzudenken fällt mir schwer. 

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