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Nachhaltig Reisen – die harte Wahrheit.

Zurück aus dem Urlaub, ist mir eines wieder klar: Reisen ist Feind der Nachhaltigkeit. Es ist schlichtweg egal, wie sehr man sich bemüht. Jede Form des Tourismus hat Auswirkungen auf unsere Umwelt.

 

2017 ist das Jahr des nachhaltigen Tourismus. Wer sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, weiß, wie sehr das Reisen die Umwelt beansprucht. Vor allem das Fliegen ist schon lange Problemkind in der Nachhaltigkeitsdebatte. Selbst wenn man sich vor Ort nachhaltig bewegt, sind die Auswirkungen des Flugs einfach gigantisch. Auch mit dem Auto ist man bekanntermaßen nicht besonders nachhaltig unterwegs. Wer mit der Bahn oder gar mit dem Fahrrad fährt, verdient schon großes Lob. Doch nicht immer ist das möglich. Wer nicht auf den Flug verzichten kann oder möchte, kann das schlechte Gewissen mit einer CO-Kompensation mindern. Hierfür gibt es Organisationen wie beispielsweise atmosfair, die solche Beiträge dann für den Ausbau erneuerbarer Energien nutzen. Nette Idee. Löst erstmal nicht das Problem selbst, aber das lässt hoffen auf Alternativen in der Zukunft. Denn wer will schon für immer auf Fernreisen verzichten wollen?

 

So, am Zielort angekommen, warten neue Herausforderungen. Neben dem üblichen Konsum, der schon zu Hause bezüglich der Nachhaltigkeit fraglich ist, kommen beim Reisen weitere Nachhaltigkeitsaspekte auf. Auch soziale und ökonomische Nachhaltigkeit sind neben der Ökologie wichtige Punkte im Tourismus.

 

Soziale Nachhaltigkeit beinhaltet unter anderem den Erhalt der lokalen Kultur, den Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung und, dass es zu keiner Beeinträchtigung ihres Lebens kommt. Also allgemein spielt hier das Wohlergehen dieser Menschen eine Rolle. Gleichzeitig betrachtet die soziale Nachhaltigkeit auch die Reisenden. Auch ihr Wohlergehen ist hier gefragt. Gegenseitiger Respekt ist hier demnach das Fundament.

 

Ökonomische Nachhaltigkeit geht hier gewissermaßen einen Schritt weiter. Das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung steht auch hier im Mittelpunkt. Während dieses sich in der sozialen Nachhaltigkeit hauptsächlich auf ihr Befinden bezieht, wird in der ökonomischen Nachhaltigkeit nach dem finanziellen Wohlergehen gefragt. Vor allem externe Unternehmen stehen hier stark in der Kritik. Riesen Resorts, gebaut von Menschen, die absolut keinen Bezug zur lokalen Bevölkerung haben. Die in den meisten Fällen zusätzlich die ökonomische Abhängigkeit der Bevölkerung vom Tourismus ausnutzt. Die ökonomische Nachhaltigkeit sucht hier nach Lösungen gegen diese Abhängigkeit und möchte es der Bevölkerung ermöglichen, sich auch fernab vom Tourismus verwirklichen zu können. Innerhalb des Tourismus soll diese mehr von den Reisenden profitieren, Mitspracherecht erhalten und nicht für Externe arbeiten müssen.

 

Auch die Ökologie leidet offensichtlich unter dem Tourismus, so wie sie eigentlich unter allem leidet, was wir tun. Alleine unsere Existenz hat schon Auswirkungen auf die Umwelt. Das im Hinterkopf, kommen verschiedene Punkte im Tourismus zum Tragen. Die benötigte Fläche für Beherbergung, der Wasserverbrauch, die bereits erwähnte Mobilität und die Müllproduktion sind wenige dieser Punkte. Am wenigsten Auswirkungen hat wohl das Wandern mit Zelt, während wenig Müll fabriziert und keine besonderen Anlagen gebraucht werden. Doch auch hier sind Auswirkungen auf die Umwelt nicht eliminiert. Wir gefährden im Zweifel umliegende Flora und Fauna und beeinträchtigen diese in ihrer Lebensform. Geschenkt, das mit dem nachhaltigen Handeln, könnte man sagen. Und was ist mit der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit, während wir durch die Wälder wandern? Der Tourismus bleibt für viele Bevölkerung ein wichtiges Geschäft. Wenn alle nur noch wandern gehen, ist weder der Natur noch den Menschen geholfen. Also, wo bleibt die große Lösung?

  

„[Im Tourismus] sind radikale Veränderungen im Sinne eines Paradigmenwechsels unvermeidbar. Dazu gehören im Tourismus tiefgreifende Änderungen des Reiseverhaltens, wie die Bevorzugung von Nahzielen, der Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, längere, dafür aber weniger häufige Fernreisen – und der Verzicht auf endloses Wachstum.“ (Wolfgang Strasdas)

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