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Ich und die Anderen.

Ich hole gerade einiges an Lesestoff nach, da ich die letzten Monate sämtliche Bücher angefangen, aber nie zu Ende gelesen habe. Besonders das letzte Buch regt mich bezüglich eines bestimmten Themas an. Einfach ich selbst sein dürfen von Teresa Keller erzählt von der Beziehung zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen und wie man sich selbst mit kleinen Aufgaben besser kennen lernt und auch seine Position in seinem Umfeld erforscht. Ersteres, also das Kennenlernen meines Selbst, habe ich die letzten Jahre erfolgreich voran gebracht. Ich habe gelernt, mich selbst von meinen Menschen zu differenzieren, mich nicht durch sie zu identifizieren. Durch die viele Zeit alleine habe ich gelernt, worin ich meine Werte sehe, was mich persönlich ausmacht. Das ist alles sehr erstrebenswert und gut, aber eines habe ich verlernt, wie ich bitterlich feststellen muss.

 

Ich habe bereits in einem anderen Beitrag über die Angst gesprochen, unter Menschen nicht ich selbst sein zu können. Mich selbst zu verlieren und meine Werte zu ignorieren. Und ich stelle fest, dass ich mich immer noch davor fürchte und gleichermaßen drücke. Oft umgehe ich die Möglichkeit, mich in einer Gruppe von Menschen klar definieren zu müssen. Auch dazu dient dieser Blog. Um mich in einer gewissen Öffentlichkeit klar zu positionieren und mitzuteilen. Ich glaube nicht, dass es eine Angst vor fehlender Anerkennung ist. Ich weiß, dass viele Menschen mir gerne Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen, sobald sie mich näher kennen lernen. Jedoch glaube ich sehr wohl, dass ich mich bewusst keiner Situation ausliefere, in der ich meinen Standpunkt vertreten und vielleicht doch auch mal kapitulieren muss. Mit Kritik kann ich schwer umgehen und auch ungerne lasse ich mein Weltbild von außen erschüttern. So geht es sicherlich auch den meisten anderen. Daher bin ich sehr vorsichtig, wem ich meine Meinung mitteile. Das heißt aber nicht, dass ich keine Inspiration von außen suche. Ich suche durchaus den Kontakt zu Menschen, von denen ich mich inspirieren lassen kann.

 

 

Der Mensch braucht zunächst ein sicheres Umfeld, in dem er anerkennt und wert geschätzt wird. In dem er Gehör findet und dennoch ohne Verlust der Wertschätzung kritisiert werden kann. Erst dadurch kann er lernen, sich auch gegenüber fremden Personen mit einem Selbstbewusstsein zu positionieren und seinen Standpunkt zu verteidigen. Und ich kann mir vorstellen, dass ich noch genau in diesem Prozess stecke. Ich lerne noch immer, mich in diesem sicheren Umfeld zu verteidigen und meine Meinung selbstbewusst und mit Ruhe zu äußern, denn das hat in meiner Kindheit und Jugend weniger stattgefunden. Erst wenn ich das erfolgreich schaffe, werde ich in der Lage sein, mich in größerer Gesellschaft einzuordnen. 

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