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Großstadtklein. Pt. 2

Ich habe zwar schon im letzten Beitrag über das Land- und Stadtleben geredet, aber die jüngsten Ereignisse greifen die Thematik wieder gut auf und ich bin versucht, eine neue Perspektive auf das Thema zu geben.

 

Die letzten 1 ½ Wochen habe ich in einem noch ländlicheren Ort als meinen Wohnort vor Lüneburg verbracht. Obrigheim - alleine, zwei Katzen, zwischen den Hügeln am Neckar. Zur Terrasse raus Weide soweit das Auge reicht und Pferde, die bis zum Gartenzaun liefen, um genüsslich zu grasen. Schön war das, wirklich schön. Jetzt weiß ich jedoch, wie lächerlich es war, meinen Wohnort als ländlich zu bezeichnen. Ja, um mein Wohnkomplex befindet sich ringsum nur Feld, aber 500 Meter weiter findet sich schon das Ortschild Lüneburgs und dann fängt eine Wohnsiedlung nach der anderen an. Dahingegen habe ich die letzten Tage definitiv ländlicher verbracht.

 

Doch möchte ich dort wohnen? Das Dorf in dem ich war hat ca. 5000 Einwohner, die nächste Stadt immerhin doch schon um die 20.000. Eine Stunde mit dem Zug braucht es dennoch bis nach Heidelberg, was für mich als eher Stadtkind dann doch eine ziemliche Strecke ist. 

 

Ich glaube so ein Örtchen kann gewiss den Materialismus zügeln und das Miteinander gezielter fördern. Gleichzeitig ist bei einem kleineren Ort das Kulturprogramm nicht mehr so vielfältig wie in der Großstadt. Auch hier finden in der nächstgrößeren Stadt gewiss Veranstaltungen wie Open-Air-Kino, Flohmärkte und Feste statt. Hier reden wir aber von einer ganz anderen Dimension als in der Großstadt. Die Busverbindungen im Ort sind für seine Größe jedoch unfassbar gut. Auch die gute Anbindung mit der S-Bahn erstaunt mich nachhaltig. Und dennoch fahren die Menschen vorwiegend mit dem Auto, was bei den Strecken meiner Meinung nach teilweise wirklich nicht notwendig ist. Ich habe mich die Tage mit dem Fahrrad fortbewegt, was zugegebener Maßen eine echt sportliche Leistung ist bei den Steigungen. Alternativ ist der Bus wie erwähnt eine hervorragende Möglichkeit.

 

Der Neckar fließt unmittelbar an der Ortschaft vorbei und auch der rührt mich noch nachhaltig. Diese Landschaft von Hügeln und Neckar ermüdet mich selbst nach dem tausendsten Mal noch nicht. Dafür lohnt sich jeder Besuch allemal. In Kombination mit dem Sonnenuntergang werde selbst ich fast romantisch.

 

 

So, aber seien wir mal realistisch. Wohnen wollen würde ich dort nicht. Und das offensichtlich nicht, weil es mir nicht gefiele, aber selbst für mein ruhiges Gemüt wäre es doch zu ruhig. Ich liebe es grün, aber möchte eher als in einer Stunde in die Stadt finden. Ich möchte nicht so lange fahren müssen, damit ich mich als Veganerin ins Café setzen kann und vernünftigen Kaffee und ein Stück Kuchen kriege. Ich finde es ganz schön, dass hier die großen Einkaufsmöglichkeiten ausbleiben, weil man dann auch weniger versucht ist, doch mal eben Bummeln zu gehen. Wenn ich jedoch neben einem Penny keinen normalen Supermarkt in Reichweite habe, finde ich das suboptimal.

 

Halten wir fest: natürlich geht es ländlicher als ich momentan wohne. Und dennoch spukt die Lust in mir, irgendwann wieder zentraler zu wohnen. Vor die Tür gehen zu können und den Supermarkt zu Fuß zu erreichen. Mal eben in den Bus oder die Bahn steigen zu können und sich sicher sein zu können, dass man auch flexibel wieder nach Hause fahren kann. Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Und solange ich noch von Feldern umgeben bin, genieße ich dementgegen die Spaziergänge im Grünen vor der Tür.

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