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Bin ich immer allein?

In meinem Leben gibt es unfassbar viele Menschen, die glauben, ich sei immerzu allein.

Sie denken, ich sitze den ganzen Tag zu Hause und bekäme im Zweifelsfall schon Depressionen. Dem möchte ich wirklich endlich ein Ende setzen.

 

Ich mag öfter alleine sein als andere, das wird wohl stimmen. Es gibt viele Menschen, die haben nie gelernt alleine zu sein. Es gibt Menschen, die wollen auch einfach nie alleine sein. Und all das ist vollkommen in Ordnung. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.

 

Ich lebe seit drei Jahren alleine, wohnte auch nie in einer WG. Ich genieße es, nach Hause zu kommen, mir Kaffee zu machen und mich gemütlich – ja, alleine – auf mein Sofa zu setzen und Netflix aufzumachen. Das mögen wir doch alle ganz gerne. Ich habe kein Problem damit, die Stille zu ertragen. Sie hilft mir oft, all meine Gedanken zu denken. Und wenn ich mal keine Lust habe alleine zu sein oder mich erschlagen vom Leben fühle, dann gibt es wunderbare Menschen, die immer für mich da sind.

Es gibt nicht viele Menschen, die ich meine Freunde nenne – das brauche ich auch nicht. Und die meisten meiner Liebsten wohnen auch ganz woanders. Es gab einen Moment in meinem Leben – eigentlich eher ein schleichender Prozess – an dem ich aufgrund von einigen Umzügen von Null anfangen und neue liebe Menschen finden musste. So sammele ich noch heute wertvolle Freundschaften. Aber das braucht halt seine Zeit.

 

Weil es dadurch Phasen gab, in denen ich kaum jemanden zum Freund in greifbarer Nähe hatte, war ich mal viel alleine, das will und kann ich nicht leugnen. Diese Zeit hat mich sicherlich stark geprägt und ist Grund, weshalb ich heute so gut mit dem Alleinsein klar komme. Besonders an hektischen Tagen mit vielen Menschen tut mir das am Abend sehr gut. Doch jetzt, nachdem ich so viele gute Seelen gefunden habe, übe ich mich immer mehr darin, bei ihnen zu sein. Es ist für die meisten sicherlich nicht nachvollziehbar, wie anstrengend das für mich ist und das ist ok. Es fällt mir jeden Tag ein bisschen leichter und ich genieße es immer mehr.

 

Dennoch muss der schlechte Ruf des Alleinseins aufhören. Mit seiner eigenen Gesellschaft zufrieden zu sein und mal vom Alltagsstress abschalten zu dürfen sollte keine schockierten Blicke auf sich ziehen. Man sollte sich nicht mehr schlecht fühlen müssen, weil man auf die Frage, was man nach einem Uni-Tag oder Feierabend mache, mit „nichts“ antwortet. Genießt das Alleinsein sowie die richtige Gesellschaft. Macht nur das, was Euch gut tut. 

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