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Überall Plastik.

Plastikfrei zu leben ist ein ziemlicher Kampf für mich. Es gibt Menschen, denen fällt das leichter als das vegane Leben. Da muss ich immer erstaunt den Kopf schütteln. Für viele bedeutet der Veganismus ein enormer Verzicht auf all die „leckeren“ und „schönen“ Dinge im Leben. Dieses Gefühl bekomme ich, wenn ich plastikfrei einkaufen soll. Während der Veganismus für mich das Leichteste und Selbstverständlichste auf der Welt ist, kriege ich regelrecht Kopfschmerzen, sobald ich darüber nachdenke, was ich alles aufgrund Plastik nicht kaufen sollte.

 

Und deshalb mache ich kleine Schritte. Ich habe mich immer über die Menschen gewundert, die in kleinen Schritten zum Veganismus wechseln. Jetzt glaube ich aber, es zu verstehen. So muss es sich anfühlen. Man muss sich die Konsequenzen immer bewusst machen. Beim Veganismus hat mir die Empathie für die Tiere geholfen. Die Gefühle, die ihnen ins Gesicht geschrieben sind. Die Umweltprobleme sind für mich viel schwieriger nachzuempfinden. Ich weiß, dass sie da sind. Sie sind real. Aber du kannst ihr nicht in die Augen sehen und ihr Leid erkennen. Hier bedarf es einem ganz anderen Einfühlungsvermögen, einer ganz anderen Verbindung. Natürlich sind hier auch Tier und Mensch betroffen, aber das Leid fühlt sich weniger akut an. Vielleicht sind auch meine Augen hier einfach noch zu blind für. Die Konsequenzen sind schließlich schon da. Die Meere sind voller Plastik, das Plastik schon in unserem Körper. Also warum fällt es mir so schwer, es genauso umzusetzen wie das vegane Leben? Ich habe noch keine Antwort dafür.

 

Was mir bereits sehr gut gelingt ist der Wechsel zu Produkten, bei denen man kein Gefühl des Verlusts verspürt. So benutze ich Denttabs – kleine Tabletten – statt Zahnpasta. Die werden mir plastikfrei geliefert und funktionieren wunderbar. Statt Labello gibt es bei mir Lippenbalsam aus der Dose. Ich benutze oft Kernseife, die ich in einer Papierverpackung kaufe, trinke unterwegs aus meinem Cup to go und meiner Trinkflasche aus Stahl. Wenn ich daran denke, benutze ich meine Stofftaschentücher bei Schnupfen. Und auch Second Hand Kleidung hilft mir gegen das Dilemma, weder Plastik noch Stoffe tierischen Ursprungs kaufen zu wollen. Das sind nur ein paar der Veränderungen, die bei mir in den letzten Monaten stattfanden.

 

 

Für mich ist es glasklar, dass ich mich immer mehr für die Nachhaltigkeit engagieren werde. Genauso klar ist für mich allerdings auch, dass das eigene Wohlbefinden auch sehr wichtig ist. Solange mich bestimmte Änderungen noch zu viel Anstrengung kosten, ich noch nicht bereit bin, gewisse Dinge aufzugeben, belasse ich es lieber dabei. Für mich ist es schwierig, nicht zu streng zu mir zu sein. Wenn ich mir etwas vornehme, erwarte ich, dass ich es sofort umsetze. Mit der Zeit lerne ich jedoch, dass das keiner von mir erwartet und, dass auch ich das nicht von mir erwarten muss. Ich habe ein Ziel vor Augen und nähere mich dem Tag für Tag und bin stolz auf das, was ich bereits getan habe und wie ich es momentan lebe. 

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